3. Kinder- und Jugendbericht Rheinland-Pfalz

Gelingt Inklusion? – Inklusion gelingt!

Integration und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für alle jungen Menschen als Aufgabe und Herausforderung für das „Aufwachsen in öffentlicher Verantwortung“ in Rheinland-Pfalz

Der rheinland-pfälzische Landtag hat die Landesregierung damit beauftragt, regelmäßig, einmal pro Legislaturperiode, einen Kinder- und Jugendbericht von einer unabhängigen Expertenkommission erstellen zu lassen, der die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen im Land beleuchtet und relevante Themen für das Aufwachsen der nachwachsenden Generationen in Rheinland-Pfalz aufgreift. Die Kinder- und Jugendberichte werden im Auftrag des Ministeriums für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz erstellt. Wie auch bei den beiden ersten Kinder- und Jugendberichten, die in den Jahren 2010 und 2015 erschienen sind, setzt sich die Berichtskommission des 3. Kinder- und Jugendberichts aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Koblenz-Landau, der Universität Trier sowie dem Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz gemeinnützige GmbH (ism gGmbH) zusammen.

Insgesamt konnte der 2. Kinder- und Jugendbericht Rheinland-Pfalz aufzeigen, dass 3/4 der jungen Menschen in Rheinland-Pfalz gut ausgerüstet und zuversichtlich in ihre Zukunft blicken. Gleichzeitig bleibt das Thema der Teilhabe aller jungen Menschen am gesellschaftlichen Leben die große Herausforderung auch der kommenden Berichtsperiode. Leistungen der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit sind auch hierfür wesentliche infrastrukturelle Leistungen, die in allen Kreisen und Städten grundsätzlich vorgehalten werden müssen, auch dies konnte der 2. Kinder- und Jugendbericht deutlich zeigen. Trotz der erheblichen Bemühungen der Kreise, Städte und des Landes, die identifiziert werden konnten, wurden allerdings auch beträchtliche regionale Unterschiede deutlich. Besonders der Situation junger Menschen in ländlichen Gegenden, so der Befund, muss künftig eine stärkere Aufmerksamkeit zuteilwerden.

Vor diesem Hintergrund soll mit der Erstellung des 3. Kinder- und Jugendberichts Rheinland-Pfalz das Thema Inklusion und das damit einhergehende (universelle) Recht auf gesellschaftliche Teilhabe für alle jungen Menschen, eines der zukunftsweisenden Themen für nachwachsende Generationen und ihre Lebensgestaltung als eigenverantwortliche und gemeinschaftsfähige Persönlichkeit in RLP aufgegriffen werden. Der Bericht legt dabei ein besonderes Augenmerk auf die gesellschaftliche Teilhabe (Inklusion) insbesondere diejenigen jungen Menschen, die in ihrem Alltag mit speziellen Belastungen, Problemen, Besonderheiten oder Herausforderungen konfrontiert sind. Dies betrifft z.B. Kinder und Jugendliche, die in Armut und/oder mit Behinderungen leben, die selbst oder deren Eltern zugewandert oder geflüchtet sind. Aber auch junge Menschen und ihre Lebenslagen, die außerhalb ihrer Familie, beispielsweise in Pflegefamilien oder Erziehungsheimen aufwachsen, junge Menschen, die von einer Krankheit betroffen sind oder junge Menschen, die durch verschiedene Ursachen in den Systemen Schule, Ausbildung und Arbeit nicht zurechtkommen. Sie sind – so der derzeitige Forschungsstand – besonders „vulnerable“ Gruppen, die eine höhere Wahrscheinlichkeit aufweisen in ihrer gesellschaftlichen Teilhabe eingeschränkt zu sein, bzw. bereits Exklusionserfahrungen gemacht haben oder von Exklusion bedroht sind.

Inklusion folgt in diesem Kontext einem weiten Verständnis und wird als grundlegendes Ziel aller öffentlichen Anstrengungen begriffen, diese so zu gestalten, dass ein „Aufwachsen in öffentlicher Verantwortung“ so gelingt, dass allen jungen Menschen eine umfassende Teilhabe am sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben in dieser Gesellschaft aktiv ermöglicht wird.

Vor diesem Hintergrund ergeben sich für den 3. Kinder- und Jugendbericht Rheinland-Pfalz folgende Hauptfragestellungen: Wie kann für alle jungen Menschen in Rheinland-Pfalz Inklusion und Teilhabe gelingen und wo und wie gelingt Inklusion bereits jetzt?

Die Bedeutung von Inklusion und Teilhabe als Aufgabe und Ziel für die Handlungsfelder „öffentlicher Verantwortung für das Aufwachsen“ soll im Blick auf tragende Konzeptionen, prägende Strukturen und der Relevanz für das konkrete Handeln der Fachkräfte untersucht und berichtet werden. Neben diesen konzeptionellen, strukturellen und professionellen Aspekten steht wiederum die Frage im Mittelpunkt, wie junge Menschen ihre Chancen und Perspektiven bewerten und welche Erfahrungen beziehungsweise Erwartungen sie an „öffentliche Verantwortung für das Aufwachsen“ in Rheinland-Pfalz haben. Abschließend wird zu klären sein, welche landespolitischen Aufgaben und Herausforderungen sich aus dieser Analyse für die Verwirklichung von Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für alle jungen Menschen in Rheinland-Pfalz ergeben.